Leitlinien & medizinische Standards
Schilddrüsenmedizin auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Empfehlungen
Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen entwickeln sich kontinuierlich weiter. In unserer Ordination orientieren wir uns an aktuellen nationalen und internationalen Fachgesellschaften und Leitlinien.
Leitlinien geben einen wissenschaftlich begründeten Rahmen vor. Sie ersetzen jedoch nicht die individuelle ärztliche Beurteilung. Laborwerte, Ultraschallbefund, Beschwerden, Alter, Begleiterkrankungen sowie Kinderwunsch und Schwangerschaft müssen gemeinsam betrachtet werden.
Kinderwunsch & Schwangerschaft
Schilddrüsenfunktion und Schwangerschaft beeinflussen sich gegenseitig. Bereits bei Kinderwunsch können deshalb eine sorgfältige Beurteilung von TSH, freien Schilddrüsenhormonen und – bei entsprechender Fragestellung – Schilddrüsenantikörpern sinnvoll sein.
Ein erniedrigtes TSH bedeutet dabei nicht automatisch Morbus Basedow und nicht automatisch, dass eine medikamentöse Behandlung erforderlich ist. Entscheidend sind unter anderem fT4 und fT3, TRAK/TSI, klinischer Befund, Ultraschall und der zeitliche Verlauf.
Bei Kinderwunsch, Kinderwunschbehandlung und Schwangerschaft berücksichtigen wir insbesondere die aktuellen Empfehlungen der American Thyroid Association (ATA 2026) zu Präkonzeption, Schwangerschaft und Postpartum.
Referenz:
Korevaar TIM, Leung AM, Alexander EK et al. American Thyroid Association 2026 Guidelines for Thyroid Disease in Preconception, Pregnancy, and Postpartum. Thyroid. 2026;36:481–544.
Hashimoto-Thyreoiditis
Der Nachweis von TPO- oder Tg-Antikörpern allein entscheidet nicht über die Notwendigkeit einer Therapie.
Für die Beurteilung sind insbesondere Schilddrüsenfunktion, Beschwerden, Ultraschallbefund und individuelle Situation relevant. Ziel ist eine medizinisch begründete Behandlung und die Vermeidung unnötiger Übertherapie.
Morbus Basedow & Überfunktion
Eine Schilddrüsenüberfunktion kann unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören Morbus Basedow, funktionelle Autonomie, entzündliche Schilddrüsenerkrankungen und – während der Schwangerschaft – hormonell bedingte Veränderungen.
Die Ursache sollte deshalb möglichst geklärt werden, bevor eine längerfristige thyreostatische Behandlung begonnen wird.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern Frauen mit Kinderwunsch oder Schwangerschaft, da sich Auswahl und Dosierung von Thyreostatika von der Behandlung außerhalb der Schwangerschaft unterscheiden können.
Schilddrüsenknoten
Schilddrüsenknoten sind häufig und überwiegend gutartig. Nicht jeder Knoten benötigt eine Punktion oder Behandlung.
Die Ultraschalluntersuchung dient der strukturierten Risikoeinschätzung. Größe allein entscheidet nicht darüber, ob ein Knoten gefährlich ist.
Wir orientieren uns insbesondere an den Empfehlungen der European Thyroid Association (ETA) zur Diagnostik und risikoadaptierten Behandlung von Schilddrüsenknoten.
Referenz:
Durante C, Hegedüs L, Czarniecka A et al. 2023 European Thyroid Association Clinical Practice Guidelines for thyroid nodule management. European Thyroid Journal. 2023;12:e230067.
Radiofrequenzablation und minimal-invasive Knotentherapie
Nicht jeder behandlungsbedürftige Schilddrüsenknoten muss operiert werden.
Bei ausgewählten gutartigen und symptomatischen Schilddrüsenknoten können minimal-invasive Verfahren wie die Radiofrequenzablation (RFA) eine Alternative zur Operation darstellen.
Voraussetzung sind eine sorgfältige sonographische und gegebenenfalls zytologische Abklärung sowie eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.
Referenz:
Papini E, Monpeyssen H, Frasoldati A, Hegedüs L. 2020 European Thyroid Association Clinical Practice Guideline for the Use of Image-Guided Ablation in Benign Thyroid Nodules. European Thyroid Journal. 2020;9:172–185.
Schilddrüsenkarzinom
Auch bei Schilddrüsenkrebs wird zunehmend risikoadaptiert behandelt. Umfang von Operation, Radiojodtherapie, Nachsorge und TSH-Suppression richten sich nach Tumorart und individuellem Rezidivrisiko.
Wir orientieren uns unter anderem an den ATA Guidelines 2025 für differenzierte Schilddrüsenkarzinome.
Referenz:
Ringel MD, Sosa JA et al. 2025 American Thyroid Association Management Guidelines for Adult Patients with Differentiated Thyroid Cancer. Thyroid. 2025;35:841–985.
Unser Grundsatz
So viel Diagnostik wie nötig – so wenig Therapie wie möglich, aber so viel wie medizinisch erforderlich.
Eine Leitlinie behandelt keine Laborwerte. Sie unterstützt ärztliche Entscheidungen. Deshalb verbinden wir aktuelle wissenschaftliche Empfehlungen mit ausführlicher Anamnese, hochauflösendem Ultraschall und einer individuellen Therapieentscheidung.
Stand: September 2026. Medizinische Leitlinien werden regelmäßig aktualisiert. Die hier dargestellten Informationen dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.